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Bierschule › Hopfen · Hopfensorte

East Kent Goldings

East Kent Goldings ist der klassische englische Aromahopfen aus Ost-Kent, geschützt als Ursprungsbezeichnung. Er gibt Bier ein mildes, würziges, blumiges und erdiges Aroma, manchmal mit etwas Honig oder Zitrone.

  • LandVereinigtes Königreich (Ost-Kent, England)
  • Züchterkeiner; laut Produktspezifikation um 1790 von einem Mr Golding in West Malling ausgewählt
  • Eingeführtum 1790 (der Golding); als East Kent Goldings jedenfalls seit 1838 verkauft
  • AbstammungKlonauslese aus der alten Sorte Canterbury Whitebine
  • TypAroma (auch zum Bittern verwendet)
  • Alphasäure4–6 % (laut der geschützten Produktspezifikation)

Was ist das?

East Kent Goldings, oft zu EKG abgekürzt, ist ein englischer Hopfen aus dem Osten der Grafschaft Kent. Laut der geschützten Produktspezifikation wählte ein gewisser Mr Golding ihn um 1790 in West Malling aus der alten Sorte Canterbury Whitebine aus. In Ost-Kent galt er Anfang des 19. Jahrhunderts als besser als Hopfen aus der Gegend um Maidstone. Darum wurde er als „East Kent“-Hopfen verkauft, und so kam der Name in Gebrauch.

Goldings ist eigentlich eine Gruppe von Klonen: Im 19. Jahrhundert wurden in Ost-Kent lokale Varianten ausgewählt, etwa Bramling, Cobbs, Petham und Eastwell. Seit 2013 ist East Kent Goldings eine geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), laut der britischen Regierung der erste geschützte britische Hopfen. Dieser Name darf nur auf Goldings aus einem abgegrenzten Gebiet rund um unter anderem Faversham und Canterbury stehen. Der erste Hopfen mit einem solchen europäischen Schutz war East Kent Goldings nicht: Der tschechische Saaz aus Žatec war schon 2007 geschützt.

Aroma und Geschmack

Der Braubuchautor John Palmer beschreibt das Aroma als würzig und blumig, erdig, rund und mild, mit würzigem Geschmack. Die British Hop Association nennt blumig, leicht würzig, Honig und erdig, und eine sanfte, honigartige Bittere. Laut der Produktspezifikation der Anbauergruppe East Kent Goldings Growers riecht der Hopfen nach leicht süßer Zitrone und Blumen, und der Geschmack im Bier erinnert an reiche Marmelade.

Im Hopfenöl steckt viel Humulen, laut Spezifikation 33–45 %. Dieser Stoff riecht laut einem Übersichtsartikel würzig und holzig. Farnesen steckt kaum darin, weniger als 1 %. Damit unterscheidest du Goldings chemisch von Fuggle, der laut derselben Spezifikation etwa 7,5 % davon hat.

Auch die Bittere hat Charakter. In einer britischen Studie wurden Biere mit Hersbrucker, East Kent Goldings oder Zeus auf dieselbe Bittere eingestellt. Trotzdem schmeckte ein geschultes Panel bei jedem Bier eine andere Art von Bittere.

Verwendung und ähnliche Hopfen

East Kent Goldings ist ein Aromahopfen mit bescheidenem Alphasäuregehalt: laut Spezifikation 4–6 %. Palmer nennt ihn geeignet zum Bittern, für späte Hopfengaben und zum Kalthopfen in britischen Ales. Er kommt als ganze Dolden in Ballen und als Pellets.

  • Ersatz: Palmer nennt BC Goldings (aus Kanada) und Whitbread Goldings Variety; Hopsteiner nennt First Gold. Umgekehrt nennt Palmer East Kent Goldings als Ersatz für Fuggle.
  • Familie: Northern Brewer ist laut Spezifikation ein Sämling des Golding, und Bramling Cross hat den Golding-Klon Bramling als Elternteil.
  • Anderswo angebaut: Goldings wachsen auch außerhalb von Ost-Kent, zum Beispiel in Oregon. Unter dem europäischen und britischen Schutz dürfen diese nicht East Kent Goldings heißen.

Mythos oder Fakt?

Mythos

‘Jeder Golding-Hopfen ist ein East Kent Golding.’

Goldings ist eine Gruppe verwandter Klone, die an mehr Orten wächst. Nur Goldings aus einem abgegrenzten Gebiet in Ost-Kent dürfen East Kent Goldings heißen, und „Styrian Golding“ ist sogar kein Golding, sondern Fuggle.

Mythos

‘Jeder Golding-Hopfen ist ein East Kent Golding.’

Goldings ist eine Familie. Laut der geschützten Produktspezifikation wurden im 19. Jahrhundert in Ost-Kent verschiedene Klone des Golding ausgewählt, etwa Bramling, Cobbs, Petham und Eastwell. Auch die British Hop Association und der Hopfenhändler Hopsteiner beschreiben Goldings als Gruppe von Varianten; laut BHA benannt nach dem Anbauer oder dem Dorf.

Der Name East Kent Goldings ist seit 2013 eine geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.). Er darf nur auf Goldings stehen, die in einem abgegrenzten Gebiet in Ost-Kent angebaut, gepflückt, getrocknet und verpackt wurden. Trotzdem gehen die Namen in der Praxis durcheinander, sogar bei maßgebenden Quellen. Die British Hop Association nennt East Kent Goldings „synonym mit English Goldings“, und die amerikanische USDA nennt Goldings, die in Oregon wachsen, einfach „East Kent Golding“. Und Goldings wachsen auch anderswo: Laut der Spezifikation standen 2009 76 Hektar East Kent Goldings gegenüber 199 Hektar Goldings in anderen Gebieten. Laut USDA wachsen sie seit 1994 in Oregon, und Palmer nennt BC Goldings aus Kanada als Ersatz, auch wenn er sie „not quite as good“ findet.

Verwirrend ist auch „Styrian Golding“ aus Slowenien. Laut USDA ist das eine Sorte, die im damaligen Jugoslawien aus englischem Fuggle ausgewählt wurde, und laut Palmer handelt es sich um Fuggle, der dort ohne Samen angebaut wird.

Willst du wirklich East Kent Goldings, achte auf diesen vollständigen Namen.

Quellen

Aus der Geschichte

Laut der Produktspezifikation wurde der Golding um 1790 ausgewählt und stand Anfang des 19. Jahrhunderts in Ost-Kent. Ein Buch von 1838 beschreibt bereits den Verkauf als „East Kent“-Hopfen. Im 19. Jahrhundert folgten lokale Klone, von Bramling (1865) bis Eastwell (1889). Die Goldings, die heute in Ost-Kent wachsen, gehen auf Sammlungen des Wye College und der East Malling Research Station zurück.

Laut dem Bierhistoriker Martyn Cornell wurde der Fuggle bei der Markteinführung „Fuggle’s Golding“ genannt. Spätere Forscher gingen laut ihm davon aus, dass die beiden nicht verwandt sein konnten, weil Fuggle Farnesen enthält und Goldings nicht; auch die Produktspezifikation nennt Fuggle eine nicht verwandte Sorte. Aber tschechische genetische Untersuchungen von 2019 zeigten laut Cornell, dass sie doch eng verwandt sind. 2013 erhielt East Kent Goldings europäischen Schutz; seit Ende 2020 steht der Name auch im britischen Register.

So schmeckst du es

Ein guter Ausgangspunkt ist ein englisches Bitter oder Pale Ale. Für Bitter nennt der BJCP englischen Finishing-Hopfen als am traditionellsten, mit einem Hopfenaroma, das blumig, erdig, harzig oder fruchtig sein kann. Auch ein English IPA oder ein englisches Brown Ale ist eine gute Wahl; der BJCP nennt dort englischen Hopfen, mit in einem English IPA einem oft blumigen, würzig-pfeffrigen oder orangenartigen Hopfenduft und in einem Brown Ale einem leichten blumigen oder erdigen. Such nach sanft Würzigem, Blumigem und Erdigem, vielleicht mit etwas Honig oder Marmelade, und probiere, wie sanft die Bittere ist.

Hier spielt es die Hauptrolle

Ähnlich wie: Fuggle

Weitere Hopfensorten

AmarilloCascadeCentennialChinookCitraColumbus (CTZ)El DoradoFuggleGalaxyHallertau BlancHallertauer MittelfrühIdaho 7MosaicMotuekaNectaronNelson SauvinRiwakaSaazSabroSimcoeStrataTettnangerVic Secret

Begriffe

Klon (Hopfen)
Eine Pflanze, die ungeschlechtlich vermehrt wurde, aus Stücken des Wurzelstocks oder aus Stecklingen, und daher genetisch mit der Mutterpflanze identisch ist; so werden Hopfensorten vermehrt, und von alten Sorten wie Saaz und Goldings gibt es verschiedene ausgewählte Klone.
Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.)
Ein europäischer Schutz (englisch: PDO) für einen Produktnamen, dessen Qualität oder Eigenschaften vor allem oder vollständig dem Gebiet zu verdanken sind. Anders als bei einer geschützten geografischen Angabe (g.g.A.), bei der es bei den meisten Produkten genügt, dass mindestens ein Schritt in der Region stattfindet, müssen Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung alle im Gebiet stattfinden. Bei Hopfen gilt eine g.U. unter anderem für Žatecký chmel (Saaz aus Žatec, seit 2007) und East Kent Goldings (seit 2013).
Hopfenöl
Das flüchtige, aromatische Öl aus dem Hopfen (laut John Palmer 0,5–3 % des getrockneten Hopfens; manche moderne Sorten liegen höher, Galaxy laut HPA 2,6–3,3 ml pro 100 Gramm), mit Stoffen wie Myrcen, Linalool und Geraniol; es verdampft beim Kochen größtenteils, deshalb geben Brauer Aromahopfen spät zu oder setzen ihn zur Kalthopfung ein.
Farnesen
Einer der schwereren Aromastoffe im Hopfenöl. Saaz und Tettnanger haben viel davon (etwa 14–20 % oder mehr des Öls), Hallertauer Mittelfrüh und Goldings fast nichts; solche Unterschiede im Öl helfen, Hopfensorten chemisch auseinanderzuhalten.
Alphasäuren
Die wichtigsten Bitterstoffe aus dem Hopfen (Humulone); sie lösen sich schlecht und sind kaum bitter, werden aber beim Kochen zu Iso-Alphasäuren, die dagegen bitter schmecken.
Kalthopfung (Dry Hopping)
Hopfen zugeben, nachdem die Würze gekocht wurde, oft während oder nach der Gärung, vor allem für einen frischen, starken Hopfenduft.
Quellen dieser Seite