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Bierschule › Hopfen · Hopfensorte

Citra

Citra ist eine amerikanische Hopfensorte der Hop Breeding Company, laut Züchter seit 2007 auf dem Markt. Er ist bekannt für Aromen von Zitrus, vor allem Grapefruit und Limette, und tropischen Früchten.

  • LandVereinigte Staaten
  • ZüchterHop Breeding Company (Yakima-Tal, Washington); Sortenname HBC 394
  • Eingeführt2007 (laut Züchter und Yakima Chief Hops); Pflanzenpatent erteilt 2010
  • AbstammungKreuzung aus dem Jahr 1990 von zwei Nachkommen von Hallertauer Mittelfrüh × einer Pflanze mit der Zuchtnummer 853-144M (laut Pflanzenpatent); laut Züchter gehören auch US Tettnanger, Brewers Gold und East Kent Golding zum Stammbaum
  • TypAromahopfen (laut Züchter), mit viel Alphasäure; belgische Forscher zählen ihn zum Dual-Purpose-Hopfen
  • Alphasäure11–13 % (Pflanzenpatent und Hop Growers of America); Yakima Chief Hops nennt 10–16 %, es unterscheidet sich je nach Ernte

Was ist das?

Citra ist der Markenname (Citra®) der Hopfensorte HBC 394. Die Sorte stammt aus einem Zuchtprogramm im Yakima-Tal im US-Bundesstaat Washington und wurde laut den Züchtern von der Hop Breeding Company (HBC) entwickelt und auf den Markt gebracht. HBC ist eine Zusammenarbeit der Hopfenunternehmen John I. Haas und Yakima Chief Ranches.

Laut Pflanzenpatent stammt Citra aus einer Kreuzung aus dem Jahr 1990. Beide Eltern stammen vom deutschen Aromahopfen Hallertauer Mittelfrüh und einer Pflanze mit der Zuchtnummer 853-144M ab. Laut den Züchtern gehören außerdem US Tettnanger, Brewers Gold und East Kent Golding zum Stammbaum.

Laut Patent zeichnet sich Citra durch viel Alphasäure, wenig Cohumulon (eine der Alphasäuren) und einen deutlichen Zitrusduft aus. Laut der offiziellen amerikanischen Erntestatistik hatte Citra 2025 die größte Anbaufläche aller Hopfensorten in den Vereinigten Staaten.

Aroma und Geschmack

Was unabhängige Quellen sagen. Der amerikanische Anbauerverband Hop Growers of America beschreibt Citra als stark zitrusartig, mit tropischen Früchten. Laboruntersuchungen zeigen, welche Aromastoffe dabei eine Rolle spielen können. In einer belgischen Untersuchung von 2015 fiel Citra durch relativ viel 3MHA auf, ein Thiol, das nach Passionsfrucht und Grapefruit riecht. Eine deutsche Untersuchung von 32 Hopfensorten fand in Citra, ebenso wie in Mosaic, viel von den Thiolen 3MH (Rhabarber, Grapefruit) und 4MMP (schwarze Johannisbeere, Passionsfrucht). Solche Thiole riechst du schon bei wenigen bis zu einigen Dutzend Nanogramm pro Liter.

Laut einer Studie der Oregon State University enthält Citra außerdem relativ viel Linalool (in dieser Studie als blumig und süß beschrieben) und Geraniol (dort als zitrusartig beschrieben; anderswo als blumig und rosig). Im kaltgehopften Bier nahmen diese Stoffe nachweislich zu. Hefe wandelt Geraniol während der Gärung teilweise in Citronellol um, das nach Zitrone und Limette riecht.

Was der Züchter sagt. Im Patent steht „citrus, fruity, tropical“. Die Züchter nannten 2010 Grapefruit und Limette und außerdem Stachelbeere, Passionsfrucht, Litschi und Sauvignon Blanc. Der Hopfenhändler Yakima Chief Hops spricht von tropischen Zitrusfrüchten und Steinobst, mit Limette und Orange.

Verwendung und ähnliche Hopfen

Citra ist vor allem ein Aromahopfen. Solcher Hopfen kommt meist erst in der letzten Viertelstunde des Kochens in die Pfanne, beim Ausschalten der Hitze oder bei der Kalthopfung, damit weniger Aroma verdampft. Laut Patent eignet sich Citra auch zum Bittern. Du findest ihn als ganze Hopfendolden, als Pellets und als Cryo-Hopfen: Pellets aus konzentriertem Lupulin.

Der Erntezeitpunkt zählt. Forscher der Oregon State University ernteten Citra drei Jahre lang jede Woche auf drei Feldern. Früh geernteter Hopfen roch grasig und nach grüner Paprika, spät geernteter nach Zwiebel und Knoblauch. In der Mitte der Saison kamen die gewünschten Zitrus- und Harznoten. In einer Studie von 2026 an ein bis sechs Jahre altem Hopfen erwies sich Citra dagegen als sehr stabil: Er veränderte sich kaum.

Vergleichbarer Hopfen laut dem Verkostungspanel von Yakima Chief Hops: Centennial, Mosaic, Simcoe und der britische Admiral.

Mythos oder Fakt?

Mythos

‘Ein Juicy IPA steckt voller Fruchtsaft.’

„Juicy“ bezieht sich auf den saftigen, fruchtigen Duft und Geschmack, und die kommen vom Hopfen. Es muss kein Obst und kein Saft drin sein.

Mythos

‘Ein Juicy IPA steckt voller Fruchtsaft.’

Das Wort „juicy“ wird laut Brewers Association oft benutzt, um den Duft und Geschmack dieser Biere zu beschreiben. Es sagt, wie das Bier riecht und schmeckt, nicht, was drin ist.

Laut BJCP bekommt ein Hazy IPA seinen „juicy“ Charakter, weil der Brauer spät im Prozess viel Hopfen zugibt, vor allem durch Kalthopfung, mit Hopfensorten, die nach tropischen Früchten duften. Die Brewers Association schreibt dasselbe: „juicy“ geht um Geschmack und Duft, die durch „late, often very large, additions of hops“ entstehen. Ein juicy Charakter ist laut BA nicht einmal Pflicht; auch Zitrus, Kiefer, Kräuter oder Blüten sind erlaubt.

Auch die Hefe spielt mit. Die BA nennt mittlere bis mittelhohe fruchtige Ester, Duftstoffe der Hefe, die das Hopfenprofil ergänzen.

Ist dagegen deutlich Obst drin, oder Laktose oder Vanille, ist es laut BJCP kein gewöhnliches Hazy IPA mehr und gehört das Bier in eine Spezialkategorie, wie Fruchtbier. Die BA zählt ein Hazy IPA mit Früchten zu den Experimental IPAs.

Quellen

Teilweise wahr

‘Je mehr Hopfen in einem Bier steckt, desto länger bleibt es gut.’

Hopfen hemmt einen Teil der Bakterien, die Bier verderben, das stimmt. Aber nicht alle Bierverderber, und gerade das Hopfenaroma selbst ist empfindlich: Stark gehopfte Biere trinkst du am besten frisch und lagerst sie kühl.

Teilweise wahr

‘Je mehr Hopfen in einem Bier steckt, desto länger bleibt es gut.’

Ein Körnchen Wahrheit steckt darin. Um 1150 schrieb Hildegard von Bingen bereits, dass Hopfen durch seine Bittere einen Teil des Verderbs aus Getränken fernhält, sodass sie länger gut bleiben. Laut dem Bierhistoriker Martyn Cornell konnte ungehopftes Ale manchmal schon nach ein oder zwei Wochen verderben. Moderne Forschung bestätigt, dass Iso-Alphasäuren aus Hopfen grampositive Bakterien hemmen.

Aber Hopfen schützt nicht vor allem. Manche Stämme von Milchsäurebakterien, wie Lactobacillus brevis, sind hopfenresistent, und auch gramnegative Bakterien wie Pectinatus und Megasphaera können Bier verderben.

Wichtiger für den Liebhaber: Was Hopfen an Aroma und Geschmack gibt, ist gerade empfindlich. Laut einem Übersichtsartikel von 2023 ist die Aromastabilität von kaltgehopftem Bier gering. In einem Lagerversuch sanken zwei Gruppen von Hopfenbitterstoffen (Humulinone und Alphasäuren) in den ersten drei Monaten bei 20 °C deutlich, und kaum bei 3 °C. Laut den Autoren lagerst du kaltgehopftes Bier deshalb am besten kühl, bei etwa 4 °C. Eine Studie mit elf in Deutschland gebrauten hopfigen Ales relativiert das allerdings: Manche Hopfenaromastoffe, etwa Linalool und Geraniol, blieben beim Lagern ziemlich stabil, aber in manchen Ales hing das Hopfenaroma von weniger stabilen Estern ab. Und Licht kann Iso-Alphasäuren abbauen, was zu einem Stinktiergeruch beiträgt.

Kurz: Hopfen hilft gegen einen Teil des Verderbs, aber ein stark gehopftes Bier ist kein Bier zum Lagern.

Quellen

Aus der Geschichte

Citra stammt aus einer Kreuzung, die 1990 im Yakima-Tal gemacht wurde. 1992 wurde ein Sämling ausgewählt. Dieser wurde jahrelang bei Toppenish (Washington) getestet: vier Pflanzen im Jahr 1993 und 21 im Jahr 2003. 2007 kam ein Versuchsfeld von etwa 0,8 Hektar. Laut Züchter kam Citra 2007 auf den Markt. Das Patent wurde 2009 beantragt und 2010 erteilt.

Laut Züchter wurde Citra zu einer der beliebtesten Hopfenmarken der USA. 2025 standen in den USA 7.581 Acres Citra, etwa 3.070 Hektar. Das sind gut 18 % der amerikanischen Hopfenanbaufläche und mehr als bei jeder anderen Sorte. Laut der Brewers Association sank die Produktion der meisten Sorten in jenem Jahr, die von Citra stieg aber in allen drei Hopfenstaaten.

So schmeckst du es

Ein guter Ausgangspunkt: Such dir ein Pale Ale oder IPA mit Citra als einzigem Hopfen (ein „Single Hop“-Bier). Riech zuerst: Achte auf Grapefruit, Limette und tropische Früchte. Bei einem Hazy oder New England IPA geht es laut BJCP um späten Hopfen mit tropischen Früchten; auch dort ist Citra ein guter Kandidat, auf den du achten kannst. Hopfige Biere trinkst du am besten frisch.

Hier spielt es die Hauptrolle

Ähnlich wie: Mosaic, Simcoe, Centennial

Weitere Hopfensorten

AmarilloCascadeCentennialChinookColumbus (CTZ)East Kent GoldingsEl DoradoFuggleGalaxyHallertau BlancHallertauer MittelfrühIdaho 7MosaicMotuekaNectaronNelson SauvinRiwakaSaazSabroSimcoeStrataTettnangerVic Secret

Begriffe

Alphasäuren
Die wichtigsten Bitterstoffe aus dem Hopfen (Humulone); sie lösen sich schlecht und sind kaum bitter, werden aber beim Kochen zu Iso-Alphasäuren, die dagegen bitter schmecken.
Hopfenöl
Das flüchtige, aromatische Öl aus dem Hopfen (laut John Palmer 0,5–3 % des getrockneten Hopfens; manche moderne Sorten liegen höher, Galaxy laut HPA 2,6–3,3 ml pro 100 Gramm), mit Stoffen wie Myrcen, Linalool und Geraniol; es verdampft beim Kochen größtenteils, deshalb geben Brauer Aromahopfen spät zu oder setzen ihn zur Kalthopfung ein.
Thiole
Schwefelverbindungen, die du schon bei wenigen bis zu einigen Dutzend Nanogramm pro Liter riechst, wie 4MMP (schwarze Johannisbeere, Passionsfrucht) und 3MH (Rhabarber, Grapefruit); sie stammen aus Hopfen und auch aus Malz, oft in gebundener Form, aus der Hefe sie während der Gärung freisetzen kann.
Biotransformation
Das Umwandeln von Aromastoffen durch Hefe während der Gärung, zum Beispiel von rosigem Geraniol aus Hopfen in zitrusartiges Citronellol, oder das Freisetzen fruchtiger Thiole; nach heutigem Wissen geschieht es nicht, wenn der Hopfen erst zugegeben wird, nachdem die Hefe aus dem Bier entfernt wurde.
Kalthopfung (Dry Hopping)
Hopfen zugeben, nachdem die Würze gekocht wurde, oft während oder nach der Gärung, vor allem für einen frischen, starken Hopfenduft.
Linalool
Ein Aromastoff aus dem Hopfen mit blumigem Duft (auch beschrieben als Lavendel, Koriander oder Zitrus); in den meisten Hopfensorten der häufigste Terpenalkohol.
Geraniol
Ein Aromastoff aus dem Hopfen, der nach Blumen und Rosen riecht; Hefe wandelt Geraniol während der Gärung teilweise in Citronellol um, das nach Zitrone und Limette riecht.
Zuchtprogramm
Die langjährige Arbeit, in der ein Züchter Hopfenpflanzen kreuzt, die Sämlinge jahrelang auf dem Feld und im Bier testet und nur die besten als neue Sorte auf den Markt bringt. Nectaron zum Beispiel wurde 2004 gekreuzt und kam erst 2020 auf den Markt.
Cryo-Hopfen
Pellets aus konzentriertem Lupulin: den Harzen und dem Aromaöl des Hopfens, ohne das Pflanzenmaterial der Dolde. Gedacht, um viel Hopfengeschmack und -aroma zu geben, ohne herbe Geschmäcker oder zusätzliches Pflanzenmaterial im Bier. NZ Hops bietet Cryo Hops® seiner Sorten in Zusammenarbeit mit Yakima Chief Hops an.
Pflanzenpatent
Amerikanisches Patent auf eine neue Pflanzensorte, die ungeschlechtlich vermehrt wird, zum Beispiel über Stecklinge. Sabro ist so geschützt (PP29577), und Columbus hatte ein solches Patent (PP10956, inzwischen abgelaufen); daneben verwenden Züchter oft einen Markennamen, etwa Sabro für die Sorte HBC 438.
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