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Bierschule › Hopfen · Hopfensorte

Cascade

Cascade ist ein amerikanischer Aromahopfen aus dem Zuchtprogramm des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, 1972 auf den Markt gebracht. Er riecht blumig, würzig und nach Zitrus, vor allem Grapefruit.

  • LandVereinigte Staaten
  • ZüchterUSDA (US-Landwirtschaftsministerium), Zuchtprogramm in Corvallis, Oregon
  • Eingeführt1972 (ausgewählt 1956)
  • AbstammungSämling aus offen bestäubtem Samen einer Mutterpflanze, die eine Kreuzung von Fuggle mit einem Sämling von Serebrianka und Fuggle war; Vater unbekannt
  • TypAroma
  • Alphasäure4,5–7 % (Hop Growers of America); die USDA maß über sieben Jahre 5,1–8,9 %, es unterscheidet sich je nach Ernte

Was ist das?

Cascade stammt aus dem Hopfenzuchtprogramm des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) in Corvallis, Oregon. Die Abstammung ist besonders. 1955 wurde Samen von einer Mutterpflanze gesammelt, die selbst eine Kreuzung des englischen Fuggle mit einem Sämling des russischen Serebrianka und Fuggle war. Welche männliche Pflanze diesen Samen bestäubt hat, ist unbekannt: offene Bestäubung. 1956 wählte der Züchter S.N. Brooks aus diesen Sämlingen die Pflanze aus, die später Cascade wurde. 1972 wurde die Sorte registriert und auf den Markt gebracht.

Cascade ist ein Aromahopfen mit relativ wenig Alphasäure: 4,5–7 % laut Hop Growers of America. Laut USDA ähnelt das Verhältnis von Alpha- zu Betasäuren dem europäischer Aromahopfen. In der amerikanischen Erntestatistik steht Cascade, anders als Citra oder Simcoe, ohne Markenzeichen ®, und die USDA vermerkt bei der Verfügbarkeit „no restrictions“.

Aroma und Geschmack

Unabhängige Forschung. Japanische Forscher verglichen Bier mit viel Saazer, Hersbrucker und Cascade. In diesen Bieren waren unter anderem Linalool und Geraniol wichtige Aromastoffe; beim Verkosten überwog im Cascade-Bier ein muskatartiger Duft. Auch Thiole spielen mit. Japanische Forschung fand 4MMP (schwarze Johannisbeere, Passionsfrucht) in Cascade-Pellets, und belgische Forscher rochen in Bier mit Cascade das Thiol 3MH (Rhabarber, Grapefruit). In Cascade fanden sie außerdem erstmals eine gebundene Form von 3MH im Hopfen, aus der Hefe den Aromastoff freisetzen kann. Myrcen, mit einem würzigen, harzigen und grünen Duft, macht einen großen Teil des Hopfenöls aus; in einer Messung fast die Hälfte.

Reife zählt. In einer Studie der Oregon State University wurde Cascade drei Jahre lang jede Woche gepflückt und zum Kalthopfen von Bier verwendet. Je später die Ernte, desto stärker das Hopfenaroma und das Zitrus im Bier; spät geernteter Hopfen hatte auch mehr freie Thiole und Terpenalkohole.

Was Anbauer, Handel und Fachliteratur sagen. Die Hop Growers of America nennen Zitrus, Grapefruit, blumig und würzig. Der Brauautor John Palmer nennt Cascade „den bestimmenden Duft“ des amerikanischen Pale Ale. Yakima Chief Hops nennt Grapefruit, Blüten, Kiefer, Kräuter und Gras.

Verwendung und ähnliche Hopfen

Cascade ist ein Aromahopfen, aber die Hop Growers of America nennen auch das ausgewogene Bitterpotenzial. Laut Palmer verwenden Brauer ihn zum Bittern, für den Feinschliff am Ende des Kochens und vor allem zum Kalthopfen. Du findest Cascade als ganze Dolden, Pellets und Cryo-Hopfen.

Cascade ist schlecht haltbar. Laut USDA waren nach sechs Monaten bei Raumtemperatur nur noch 40 % der Alphasäuren übrig; die Hop Growers of America nennen 48–52 %. Eine Studie von 2026 an ein bis sechs Jahre altem Hopfen sah bei Cascade durchgehend Alterungserscheinungen, sowohl chemisch als auch im Aroma. Die Untersuchung zum Erntezeitpunkt legt außerdem nahe, dass früh geernteter Cascade besser zum Bittern und spät geernteter besser zum Kalthopfen ist.

Vergleichbarer Hopfen: Palmer nennt Centennial als Ersatz. Yakima Chief Hops nennt Simcoe.

Mythos oder Fakt?

Teilweise wahr

‘Cascade ist eine Kreuzung aus Fuggle und Serebrianka.’

Fuggle und Serebrianka stecken im Stammbaum, aber Cascade ist keine direkte Kreuzung dieser beiden. Er wuchs aus Samen einer Fuggle-Kreuzung, die von einer unbekannten männlichen Pflanze bestäubt worden war.

Teilweise wahr

‘Cascade ist eine Kreuzung aus Fuggle und Serebrianka.’

Du liest es unter anderem beim Hopfenhändler BarthHaas: Cascade soll eine Kreuzung aus dem englischen Fuggle und einer Pflanze sein, die vom russischen Serebrianka abstammt. Das ist eine Vereinfachung.

Laut USDA, dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium, das Cascade gezüchtet hat, lief es so. Es gab eine Mutterpflanze mit der Nummer USDA 19124: eine Kreuzung von Fuggle mit einem Sämling von Serebrianka und Fuggle. Von dieser Mutterpflanze wurde 1955 nach offener Bestäubung Samen gesammelt. Welche männliche Pflanze den Pollen lieferte, weiß also niemand. 1956 wählte der Züchter S.N. Brooks aus den Sämlingen die Pflanze aus, die später Cascade hieß.

Der amerikanische Anbauerverband Hop Growers of America fasst es so zusammen: Die Großeltern von Cascade sind ein weiblicher Fuggle und eine männliche Pflanze, die von Serebrianka abstammte. Ihre Tochter, die Mutter von Cascade, wurde vom Wind von einer unbekannten männlichen Pflanze bestäubt.

Fuggle und Serebrianka stecken also tatsächlich im Stammbaum, aber eine Generation oder mehr zurück, und der Vater von Cascade ist unbekannt. Sicher ist: Die Sorte wurde 1956 ausgewählt und 1972 auf den Markt gebracht.

Quellen

Teilweise wahr

‘Centennial ist eine stärkere Version von Cascade: ein „Super-Cascade“.’

Der Spitzname Super-Cascade existiert wirklich und bezieht sich auf das ähnliche Aroma und die höhere Alphasäure. Aber Centennial stammt nicht von Cascade ab: Der Stammbaum besteht vor allem aus Brewer's Gold.

Teilweise wahr

‘Centennial ist eine stärkere Version von Cascade: ein „Super-Cascade“.’

Der Spitzname ist echt. Die Hop Growers of America schreiben, Centennial werde manchmal „Super Cascade“ genannt. Der Brauautor John Palmer nennt den Duft blumig und zitrusartig und schreibt, der Spitzname komme von der Ähnlichkeit, und Yakima Chief Hops verweist auf die fast doppelt so hohe Alphasäure. Das stimmt mit den Zahlen der Hop Growers of America überein: Cascade hat 4,5–7 % Alphasäure, Centennial 9,5–11,5 %. Beide werden als blumig und zitrusartig beschrieben.

Aber verwandt sind sie nicht. Centennial stammt aus einer Kreuzung, die 1974 in Prosser (Washington) gemacht wurde. Laut USDA besteht der Stammbaum aus Brewer's Gold, Fuggle, East Kent Golding, einem bayerischen Sämling und einem kleinen unbekannten Anteil; laut Hop Growers of America ist es zu drei Vierteln Brewer's Gold. Cascade wird in diesem Stammbaum nicht genannt. Cascade selbst stammt aus offen bestäubtem Samen einer Fuggle-Kreuzung, mit Serebrianka weiter zurück und einem unbekannten Vater.

Auch sonst unterscheiden sie sich. Laut USDA enthält Centennial kein Farnesen, Cascade etwa 4 % seines Öls. Und in einer Alterungsstudie veränderte sich Cascade chemisch deutlich stärker als Centennial, auch wenn Verkoster bei Centennial dennoch merkliche Unterschiede fanden.

Der Spitzname sagt also etwas über Aroma und Stärke aus, nicht über die Abstammung.

Quellen

Teilweise wahr

‘Je mehr Hopfen in einem Bier steckt, desto länger bleibt es gut.’

Hopfen hemmt einen Teil der Bakterien, die Bier verderben, das stimmt. Aber nicht alle Bierverderber, und gerade das Hopfenaroma selbst ist empfindlich: Stark gehopfte Biere trinkst du am besten frisch und lagerst sie kühl.

Teilweise wahr

‘Je mehr Hopfen in einem Bier steckt, desto länger bleibt es gut.’

Ein Körnchen Wahrheit steckt darin. Um 1150 schrieb Hildegard von Bingen bereits, dass Hopfen durch seine Bittere einen Teil des Verderbs aus Getränken fernhält, sodass sie länger gut bleiben. Laut dem Bierhistoriker Martyn Cornell konnte ungehopftes Ale manchmal schon nach ein oder zwei Wochen verderben. Moderne Forschung bestätigt, dass Iso-Alphasäuren aus Hopfen grampositive Bakterien hemmen.

Aber Hopfen schützt nicht vor allem. Manche Stämme von Milchsäurebakterien, wie Lactobacillus brevis, sind hopfenresistent, und auch gramnegative Bakterien wie Pectinatus und Megasphaera können Bier verderben.

Wichtiger für den Liebhaber: Was Hopfen an Aroma und Geschmack gibt, ist gerade empfindlich. Laut einem Übersichtsartikel von 2023 ist die Aromastabilität von kaltgehopftem Bier gering. In einem Lagerversuch sanken zwei Gruppen von Hopfenbitterstoffen (Humulinone und Alphasäuren) in den ersten drei Monaten bei 20 °C deutlich, und kaum bei 3 °C. Laut den Autoren lagerst du kaltgehopftes Bier deshalb am besten kühl, bei etwa 4 °C. Eine Studie mit elf in Deutschland gebrauten hopfigen Ales relativiert das allerdings: Manche Hopfenaromastoffe, etwa Linalool und Geraniol, blieben beim Lagern ziemlich stabil, aber in manchen Ales hing das Hopfenaroma von weniger stabilen Estern ab. Und Licht kann Iso-Alphasäuren abbauen, was zu einem Stinktiergeruch beiträgt.

Kurz: Hopfen hilft gegen einen Teil des Verderbs, aber ein stark gehopftes Bier ist kein Bier zum Lagern.

Quellen

Aus der Geschichte

Nach der Auswahl 1956 blieb Cascade laut Hop Growers of America (HGA) jahrelang liegen. Als 1967 ein neuer Züchter das Programm übernahm, wurde Cascade auf einem Versuchsfeld angebaut, als amerikanische Alternative zu europäischem Aromahopfen. Brauer waren laut HGA wegen des starken Dufts noch jahrelang nicht sehr begeistert. 1972 wurde die Sorte auf den Markt gebracht.

Laut Hop Growers of America gilt Cascade als Wegbereiter des amerikanischen Craft-Biers. Laut BJCP gilt Anchor Liberty Ale von 1975, gebraut mit ganzen Cascade-Dolden, allgemein als erste moderne amerikanische Craft-Version des IPA. 2016 war Cascade laut Hop Growers of America der beliebteste Hopfen der amerikanischen Craft-Brauer und die am meisten angebaute Hopfensorte der USA. Inzwischen ist die Anbaufläche deutlich geschrumpft: in Washington von 3.156 Acres im Jahr 2023 auf 1.719 Acres im Jahr 2025. Die Sorte mit der größten Anbaufläche ist jetzt Citra.

So schmeckst du es

Ein guter Ausgangspunkt: ein American Pale Ale, in dem Cascade der einzige Hopfen ist. Riech nach Grapefruit, Blüten und etwas Würzigem; vielleicht erkennst du auch die muskatartige Note aus der japanischen Forschung. Probier Cascade doch einmal neben Centennial: Der zweite wird oft „Super-Cascade“ genannt. Vergleich selbst. Hopfige Biere trinkst du am besten frisch.

Hier spielt es die Hauptrolle

Ähnlich wie: Centennial, Simcoe, Amarillo

Weitere Hopfensorten

AmarilloCentennialChinookCitraColumbus (CTZ)East Kent GoldingsEl DoradoFuggleGalaxyHallertau BlancHallertauer MittelfrühIdaho 7MosaicMotuekaNectaronNelson SauvinRiwakaSaazSabroSimcoeStrataTettnangerVic Secret

Begriffe

Hopfen
Die kegelförmigen Blüten der weiblichen Hopfenpflanze (Humulus lupulus), die dem Bier Bittere, Duft und Geschmack geben und Bakterien hemmen.
Hopfenöl
Das flüchtige, aromatische Öl aus dem Hopfen (laut John Palmer 0,5–3 % des getrockneten Hopfens; manche moderne Sorten liegen höher, Galaxy laut HPA 2,6–3,3 ml pro 100 Gramm), mit Stoffen wie Myrcen, Linalool und Geraniol; es verdampft beim Kochen größtenteils, deshalb geben Brauer Aromahopfen spät zu oder setzen ihn zur Kalthopfung ein.
Thiole
Schwefelverbindungen, die du schon bei wenigen bis zu einigen Dutzend Nanogramm pro Liter riechst, wie 4MMP (schwarze Johannisbeere, Passionsfrucht) und 3MH (Rhabarber, Grapefruit); sie stammen aus Hopfen und auch aus Malz, oft in gebundener Form, aus der Hefe sie während der Gärung freisetzen kann.
Myrcen
Oft der größte Bestandteil des Hopfenöls (aber nicht bei jeder Sorte), mit einem würzigen, harzigen, grünen Duft; im Bier bleibt relativ wenig davon übrig, weil ein großer Teil mit der Kohlensäure entweicht oder an der Hefe hängen bleibt.
Linalool
Ein Aromastoff aus dem Hopfen mit blumigem Duft (auch beschrieben als Lavendel, Koriander oder Zitrus); in den meisten Hopfensorten der häufigste Terpenalkohol.
Geraniol
Ein Aromastoff aus dem Hopfen, der nach Blumen und Rosen riecht; Hefe wandelt Geraniol während der Gärung teilweise in Citronellol um, das nach Zitrone und Limette riecht.
Offene Bestäubung
Zuchtmethode, bei der Samen von einer Mutterpflanze geerntet wird, die frei von männlichen Pflanzen in der Nähe bestäubt wurde: Die Mutter ist bekannt, der Vater meistens nicht. So entstanden unter anderem Strata, Sabro und Columbus.
Cryo-Hopfen
Pellets aus konzentriertem Lupulin: den Harzen und dem Aromaöl des Hopfens, ohne das Pflanzenmaterial der Dolde. Gedacht, um viel Hopfengeschmack und -aroma zu geben, ohne herbe Geschmäcker oder zusätzliches Pflanzenmaterial im Bier. NZ Hops bietet Cryo Hops® seiner Sorten in Zusammenarbeit mit Yakima Chief Hops an.
Kalthopfung (Dry Hopping)
Hopfen zugeben, nachdem die Würze gekocht wurde, oft während oder nach der Gärung, vor allem für einen frischen, starken Hopfenduft.
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