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Bierschule › Hopfen · Hopfensorte

Tettnanger

Tettnanger ist ein alter deutscher Aromahopfen aus der Region Tettnang, nahe am Bodensee. Er ist mit Saaz verwandt und gibt Bier ein feines, würziges Aroma, manchmal mit etwas Blumigem.

  • LandDeutschland (Tettnang, am Bodensee)
  • Züchterkeiner (Landsorte)
  • AbstammungLandsorte; genetisch eng mit Saaz und Spalter verwandt
  • TypAroma
  • Alphasäure2,5–5,5 % (laut Hopsteiner; je nach Ernte unterschiedlich)

Was ist das?

Tettnanger ist eine Landsorte aus der Region Tettnang am Bodensee, im Südwesten Deutschlands. Das Hopfenforschungszentrum Hüll zählt sie zum „Saazer Formenkreis“, der Familie von Saaz. Das stimmt auch genetisch: In tschechischen DNA-Untersuchungen waren Saaz, Spalt und Tettnang mit den verwendeten Markern nicht voneinander zu unterscheiden, weil sie vom selben ursprünglichen Genotyp abstammen.

Die Sorte Tettnanger wächst in Deutschland nur in Tettnang: 620 Hektar im Jahr 2025. Achte auf den Unterschied zu „Tettnanger Hopfen“. Das ist seit 2010 eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) für allen Aromahopfen aus der Region, also auch für Hallertauer Mittelfrüher, Perle und Hallertauer Tradition aus Tettnang. Laut dem Braubuchautor John Palmer ist Tettnanger eine der vier Sorten, die vor allem „Noble Hops“ heißen, und nur Tettnanger aus Tettnang ist wirklich „noble“.

Aroma und Geschmack

Palmer nennt das Aroma fein und würzig. Die USDA spricht von einem europäischen „Noble“-Aroma. Der Hopfenhändler Hopsteiner bleibt bei Pfeffer und schwarzem Tee. In der europäischen Produktspezifikation von Tettnanger Hopfen wird Hopfen aus Tettnang als blumig, zitrusartig, fruchtig, johannisbeerartig, süß und würzig beschrieben, mit einem milden, aber anhaltenden Aroma. Laut derselben Spezifikation fallen 96 % des Hopfens aus Tettnang (die Sorten Tettnanger und Hallertauer) in die Handelskategorie „finest aroma“.

Chemisch ähnelt Tettnanger dem Saaz. Beide haben viel Farnesen in ihrem Hopfenöl: laut Hopsteiner 14–24 % bei Tettnanger. Hallertauer Mittelfrüh hat davon so gut wie nichts. Laut dem Hopfenforschungszentrum Hüll enthält Tettnanger etwa 0,55 ml Hopfenöl pro 100 Gramm Hopfen. Den Einfluss fruchtiger Thiole schätzt Hopsteiner gering ein.

Verwendung und ähnliche Hopfen

Tettnanger ist ein Aromahopfen mit wenig Alphasäure, meist etwa 2,5–5,5 %. Palmer nennt ihn einen Finishing-Hopfen für deutsche Biere: Er kommt spät in die Würzepfanne, für das Aroma. Laut der Produktspezifikation geht etwa 99 % des Tettnanger Hopfens in Bier, vor allem als Pellets und weniger als Extrakt, weil bei der Extraktion Aroma verloren gehen kann.

  • Ersatz: Palmer nennt Saaz und Spalt. Hopsteiner nennt Spalter, Saazer, Lublin, Willamette, Hersbrucker Spät und Nobella.
  • Achte auf den Namen: „Tettnanger Hopfen“ auf einer Verpackung sagt, woher der Hopfen kommt. Welche Sorte es ist, ist davon unabhängig.
  • Amerikanischer „Tettnanger“: Was in den USA als Tettnanger angebaut wurde, war laut USDA größtenteils Fuggle. Siehe den Mythos unten.

Mythos oder Fakt?

Mythos

‘Amerikanischer Tettnanger ist derselbe Hopfen wie deutscher Tettnanger.’

Was in den USA als „Tettnanger“ angebaut wurde, war laut USDA ursprünglich eine Mischung mit Fuggle und später größtenteils Fuggle, eine englische Sorte mit anderer Chemie.

Mythos

‘Amerikanischer Tettnanger ist derselbe Hopfen wie deutscher Tettnanger.’

In den USA wurde „Tettnanger“ in großem Umfang angebaut: laut USDA 1988 rund 2.800 Acres in Idaho, Washington und Oregon. Aber dieser „US Tettnanger“ war laut derselben USDA ursprünglich eine Mischung mit Fuggle, und in späteren Jahren größtenteils Fuggle. Handelsexperten beurteilten ihn als Fuggle, und auch die Qualitätsmerkmale ähnelten mehr denen von Fuggle als denen von Tettnanger. Der Bierhistoriker Martyn Cornell beschreibt, wie durch ein Versehen auf einer amerikanischen Hopfenfarm eine Partie Fuggle als „Tettnanger“ verbreitet wurde und wie sie später wieder als Fuggle bezeichnet wurde.

Dass es sich um verschiedenen Hopfen handelt, siehst du an den Zahlen. Echter Tettnanger gehört zur Saaz-Familie und hat ein Alpha-Beta-Verhältnis um 1 und viel Farnesen im Öl: laut Hopsteiner 14–24 %. Die USDA nennt für US Tettnanger ein Alpha-Beta-Verhältnis von etwa 2, „sehr ähnlich wie Fuggle“. Fuggle selbst hat laut USDA etwa 4 % Farnesen.

Deutscher Tettnanger wächst in Deutschland nur in der Region Tettnang. Ob eine amerikanische Partie „Tettnanger“ echter Tettnanger ist, siehst du also nicht am Namen: Frag nach, welche Sorte es genau ist.

Quellen

Teilweise wahr

‘Es gibt genau vier Noble Hops.’

Es gibt eine bekannte Viererliste, aber die Quellen verwenden keine feste Definition. Laut John Palmer heißen vor allem Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger, Spalter und Saaz so; der BJCP verwendet „noble“ als anderes Wort für traditionellen deutschen oder tschechischen Hopfen.

Teilweise wahr

‘Es gibt genau vier Noble Hops.’

Du liest es oft, zum Beispiel in den amerikanischen Magazinen Craft Beer & Brewing und Brew Your Own: Es gibt vier Noble Hops. Diese Liste gibt es wirklich. Laut dem Braubuchautor John Palmer sind „Noble Hops“ eine Kategorie von Aromahopfen, deren Aroma als das beste gilt, mit „vor allem“ vier mitteleuropäischen Sorten: Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger, Spalter und Saaz. Palmer fügt hinzu, dass der Anbauort zählt: Nur Tettnanger und Spalter aus Tettnang und Spalt sind laut ihm wirklich noble. Daneben nennt er „Noble-type“-Sorten, die aus Noble Hops gezüchtet wurden und ihnen im Aroma ähneln.

Eine feste Definition haben wir nicht gefunden. Der BJCP, der die Stilrichtlinien für Bierrichter erstellt, beschreibt traditionellen deutschen oder tschechischen Hopfen als „auch Noble oder Landrace Hops genannt“: Hopfen mit oft subtilem, leicht blumigem, würzigem oder kräuterigem Charakter. Eine feste Liste von Sorten nennt der BJCP dabei nicht. Die Sortenbeschreibungen der amerikanischen USDA verwenden „noble aroma“ als Beschreibung eines Aromas.

Gesetzlich festgelegt ist der Begriff ebenfalls nicht. Was dagegen gesetzlich festgelegt ist, sind Herkunftsnamen. In der EU sind unter anderem Žatecký chmel (seit 2007), Hopfen aus der Hallertau und Tettnanger Hopfen (beide seit 2010) geschützt. Diese Namen betreffen die Herkunft (bei Žatecký chmel auch die Sorte), nicht die Frage, ob ein Hopfen „noble“ ist.

Auch chemisch unterscheiden sich die vier: Saaz und Tettnanger haben viel Farnesen in ihrem Hopfenöl, Hallertauer Mittelfrüh so gut wie keines.

Quellen

Aus der Geschichte

Laut der europäischen Produktspezifikation, die dazu unter anderem auf ein Buch von 1994 verweist, führten der Bezirksarzt Johann Nepomuk von Lentz und acht Bürger 1844 den methodischen Hopfenanbau in Tettnang ein, in einer Gegend, in der Weinbau weniger gut gelang. Die Fläche wuchs von 91 Hektar im Jahr 1864 auf 630 Hektar im Jahr 1914 und in den 1990er-Jahren auf 1.650 Hektar.

Seit 1973 gibt es laut derselben Spezifikation einen einheitlichen Tettnanger Frühhopfen. 2010 wurde „Tettnanger Hopfen“ in der EU geschützt. 2025 zählte die Region 1.526 Hektar Hopfen.

So schmeckst du es

Ein guter Ausgangspunkt ist ein deutsches Pils oder ein Münchner Helles. Der BJCP beschreibt für beide traditionellen deutschen Hopfen: blumig, würzig oder kräuterig. Im Pils steht der Hopfen mehr im Vordergrund, im Helles überwiegt das Malz. Riech nach etwas Feinem und Würzigem, vielleicht etwas Pfeffrigem. Vergleiche danach mit einem tschechischen Pils, dem klassischen Stil für Saaz, den nächsten Verwandten von Tettnanger.

Hier spielt es die Hauptrolle

Ähnlich wie: Saaz

Weitere Hopfensorten

AmarilloCascadeCentennialChinookCitraColumbus (CTZ)East Kent GoldingsEl DoradoFuggleGalaxyHallertau BlancHallertauer MittelfrühIdaho 7MosaicMotuekaNectaronNelson SauvinRiwakaSaazSabroSimcoeStrataVic Secret

Begriffe

Landsorte
Eine alte Sorte, die nicht aus einer gezielten Kreuzung stammt, sondern durch jahrhundertelange Auslese von Pflanzen in einer Region entstanden ist; laut den deutschen Hopfenpflanzern haben solche Hopfensorten meist wenig Bitterstoffe und ein gutes Aroma. Beispiele sind Saaz, Hallertauer Mittelfrüh und Tettnanger.
Geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
Ein europäischer Schutz für einen Produktnamen, der mit einer Region verbunden ist, wobei meistens mindestens ein Schritt der Produktion in dieser Region stattfindet; bei Bier gilt er ab dem 21. Oktober 2026 unter anderem für „Vlaams roodbruin bier / Flanders Red Ale“.
Noble Hops (Edelhopfen)
Name für eine Gruppe traditioneller mitteleuropäischer Aromahopfen. Laut John Palmer heißen vor allem vier Sorten so: Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger, Spalter und Saaz, und ihr Aroma gilt als das beste. Der BJCP verwendet „noble“ als anderes Wort für traditionellen deutschen oder tschechischen Hopfen, der oft subtil, leicht blumig, würzig oder kräuterig ist. Eine eindeutige Definition geben die Quellen nicht.
Farnesen
Einer der schwereren Aromastoffe im Hopfenöl. Saaz und Tettnanger haben viel davon (etwa 14–20 % oder mehr des Öls), Hallertauer Mittelfrüh und Goldings fast nichts; solche Unterschiede im Öl helfen, Hopfensorten chemisch auseinanderzuhalten.
Hopfenöl
Das flüchtige, aromatische Öl aus dem Hopfen (laut John Palmer 0,5–3 % des getrockneten Hopfens; manche moderne Sorten liegen höher, Galaxy laut HPA 2,6–3,3 ml pro 100 Gramm), mit Stoffen wie Myrcen, Linalool und Geraniol; es verdampft beim Kochen größtenteils, deshalb geben Brauer Aromahopfen spät zu oder setzen ihn zur Kalthopfung ein.
Alphasäuren
Die wichtigsten Bitterstoffe aus dem Hopfen (Humulone); sie lösen sich schlecht und sind kaum bitter, werden aber beim Kochen zu Iso-Alphasäuren, die dagegen bitter schmecken.
Quellen dieser Seite