Bierschule › Sauerbier · Frisch & Fruchtig
Flämisches Rotbier & Oud Bruin
Flämisches Rotbier und Oud Bruin sind saure, fruchtige braune Biere aus Flandern, die Monate bis Jahre reifen und oft mit jungem Bier verschnitten werden. Sie schmecken süßsauer, manchmal weinartig.
- AlkoholFlämisches Rotbier 4,6–6,5 %, Oud Bruin 4–8 % (BJCP)
- EinstiegFür alle, die schon etwas probiert haben
So schmeckt es meistens
- Bitter
- Süß
- Sauer
- Geröstet
- Fruchtig
- Vollmundig
Durchschnitt für diesen Stil; jedes Bier hat seinen eigenen Akzent.
Was ist das?
Mythos oder Fakt?
Mythos
‘Flämisches Rotbier und Flämisches Oud Bruin sind von jeher zwei getrennte Bierstile.’
Historisch hieß dieses Bier einfach „bruin“ (braun). Die Aufspaltung in Rot und Braun stammt vom Bierautor Michael Jackson. Der Geschmack unterscheidet sich aber je nach Region und Brauer.
Mythos
‘Flämisches Rotbier wird schon seit dem Mittelalter so gebraut.’
Dafür gibt es keinen Beleg. Die erste Beschreibung, die dem ähnelt, stammt von 1851, und das gereifte Bier setzte sich erst Ende des 19. Jahrhunderts wirklich durch.
Mythos
‘Flämisches Oud Bruin und niederländisches Oud Bruin sind dasselbe Bier.’
Nein. Flämisches Oud Bruin ist ein gereiftes, leicht saures braunes Bier. Niederländisches Oud Bruin ist ein gesüßtes, dunkles Bier.
Woher kommt es?
So schenkst du es ein
Ein guter Ausgangspunkt: 7–10 °C in einem Tulpenglas (CraftBeer.com der Brewers Association). Oud Bruin wurde traditionell zum Liegenlassen gemacht; laut BJCP sind etwas gereifte Exemplare besser als junge.
Ähnlich wie: Sauerbier, Kriek & Fruchtlambic
Begriffe
- Foeder
- Ein großes, stehendes Eichenholzfass, in dem unter anderem Flämisches Rotbier Monate bis Jahre reift; laut dem europäischen Produktdossier für Vlaams roodbruin bier handelt es sich um Fässer von 50 bis 700 Hektolitern.
- Blend / Verschnitt
- Das Mischen von Bieren unterschiedlichen Alters oder aus verschiedenen Fässern zu einem Endprodukt, wie bei Gueuze, in der junger und alter Lambic zusammenkommen.
- Lactobacillus („Lacto“)
- Ein Milchsäurebakterium, das Zucker in Milchsäure umwandelt: In gewöhnlichem Bier gilt es als Verderber, aber Brauer verwenden es auch bewusst für Sauerbier, wie Berliner Weisse.
- Brettanomyces („Brett“)
- Eine wilde Hefeart, die fruchtige, aber auch „funky“ Noten geben kann, wie Leder, Stall oder Pferdedecke, und die unter anderem im Lambic und in vielen auf Holz gereiften Bieren erwünscht ist.
- Geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
- Ein europäischer Schutz für einen Produktnamen, der mit einer Region verbunden ist, wobei meistens mindestens ein Schritt der Produktion in dieser Region stattfindet; bei Bier gilt er ab dem 21. Oktober 2026 unter anderem für „Vlaams roodbruin bier / Flanders Red Ale“.
Quellen dieser Seite
- BJCP 2021 Style Guidelines — 23B Flanders Red Ale
- BJCP 2021 Style Guidelines — 23C Oud Bruin
- Brewers Association 2026 Beer Style Guidelines, published by the Brewers Association
- Uitvoeringsverordening (EU) 2026/2168 (inschrijving 'Vlaams roodbruin bier / Flanders Red Ale' als BGA)
- Enig document 'Vlaams roodbruin bier / Flanders Red Ale' (BGA), Publicatieblad C/2026/2612 (7 mei 2026)
- Roel Mulder, Lost Beers — A small history of Flemish old brown (and red), deel 1 (2020)
- Roel Mulder, Lost Beers — A small history of Flemish old brown (and red), deel 2 (2020)
- Roel Mulder, Lost Beers — Flemish brown, red or red brown? (2020)
- Roel Mulder, Lost Beers — Oud bruin: a tale of two beers (2016)
- Martyn Cornell, Zythophile — If it's Tuesday, this must be Kölsch, part four (2023, archiefkopie)
- Warenwetbesluit Gereserveerde aanduidingen, art. 7e (wetten.overheid.nl, geraadpleegd 15 oktober 2026)
- CraftBeer.com (Brewers Association) — Belgian-Style Flanders Oud Bruin or Oud Red Ale